Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 9: Mittwoch, 28. Mai, 2025
Über den legendären Wurenpass nach Österreich

Kranjska Gora – Keutschach am See

Karte Tag 9

57 km | ↗ 740 m | ↘ 1060 m

Die Sonne scheint! Was für ein Ausblick. Wir geniessen unser Frühstück bei angenehmer Wärme, während unsere Zelte für einmal von selbst trocknen. Gegen zehn Uhr sind wir abfahrbereit und geniessen eine überwältigende Bergkulisse die uns auf dem Weg vom Camping zurück in den bekannten Wintersportort geboten wird. Unsere Routenänderung, bei der wir ja heute Morgen die Grenze nach Österreich wieder überschreiten werden, veranlasst mich, meine Postkarten fertig zu schreiben, damit ich sie hier noch einwerfen kann. Wir radeln also nochmal ins Dorf hinauf, wo ich mich in der warmen Sonne an einem hübschen Platz auf ein Bänkchen setze und meine Schreibarbeit erledige, während sich Isabelle noch ein bisschen in Kranjska umschaut.

Nachdem die Karten im Briefkasten versenkt sind, folgen wir nochmal für zwei Kilometer dem Bahnradweg, der weiter nach Tarvisio führt, bis in Podkoren der Anstieg zum Wurzenpass beginnt. Der vermeintlich einfache Wurzenpass, wo es nur 250 Höhenmeter zu bezwingen gibt, entpuppt sich wider Erwarten als ein echtes Brett mit einer längeren Rampe bis zu 18%. Isabelle kämpft auch hier wieder tapfer und ich bewundere immer wieder ihren eisernen Willen, mit dem sie ihr schweres Rad den Berg hoch stemmt. Oben auf dem Pass legen wir eine Pause ein. Zum Verschnaufen suchen wir erst mal einen einfachen Geocache und setzen uns dann vor dem Dutyfree Shop auf die sonnige Treppe und löschen unseren Durst mit kühlen Süssgetränken dazu nasche ich ein Mars, damit ich Zuckersuchti auf keinen Fall unterzuckert werde. Wir schauen uns nochmal die Karte an und planen den weiteren Track bis Finkenstein.

Servus Österreich

Servus Österreich

Mit einer Träne im Knopfloch verabschiede ich mich mit einem letzten Blick zurück in die Berge von Slowenien. Den Vršič-Pass wäre ich zwar gerne gefahren, aber schon jetzt ziehen über den Bergen wieder erste dunkle Wolken auf und das wäre mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ein Wetterdesaster geworden. Die Abfahrt vom Wurzenpass ist dann schon das zweite unerwartete Erlebnis des heutigen Tages. Hier warten gar mehrere längere Passagen mit Steigungsprozenten bis zu 18% auf auf uns. Quäldich, die Pässeplattform für Rennradler, auf der man über jeden Pass detaillierte Infos nachschlagen kann, redet sogar von bis zu 20%. Ich finds ziemlich geil, da herunterzubrettern und bringe meine Bremsen in einer rasanten Abfahrt zum glühen. Als ich unten einen Moment auf Isabelle warte muss, umhüllt mich der Duft von verbrannten Bremsbelägen und glühendem Metall. Wären wir heute noch mit Felgenbremsen unterwegs, wäre bei einer solchen Abfahrt entweder das Gummi der Beläge geschmolzen, oder der Schlauch wegen der heissen Felgen geplatzt ;-) Gemäss Recherchen erfahre ich, dass die Nordseite von Österreich trotz nicht mal ganz 600 Höhenmetern, wegen seiner brutalen Rampen berüchtigt und bei Rennradfahrern weit herum bekannt ist.

Nach dem Pass geht es recht gemütlich durchs Rosental im Bundesland Kärnten weiter. Richtung Norden wären es keine zehn Kilometer mehr nach Villach, wo wir unsere Tour gestartet haben, aber wir halten nach rechts, in westliche Richtung nach Finkenstein. Auf dem gut ausgeschilderten Radweg, fahren wir auf ruhigen Nebenstrassen durch hübsche Dörfer und hochstehende Wiesen. In Finkenstein gehen wir einkaufen und entschliessen uns, für die Mittagspause noch bis zum Faakersee weiter zu fahren, um uns dort ein schönes Bänklein am Ufer zu suchen. Wir verschätzen uns etwas mit der Distanz, liegt der Faakersee nicht wie gedacht nur fünf Minuten hinter Finkenstein, sondern ein ganzes Stückchen weiter. Zudem ist das Ufer komplett verbaut und für die Öffentlichkeit kaum irgendwo zugängig. Auch die Badeanstalten sind zur Zeit keine Alternativen, da sie noch nicht geöffnet sind und auch nicht zugänglich sind. Es dauert ewig, bis wir dann doch noch mit Hilfe einer Einheimischen, die ich unterwegs anquatsche, ein Bänkchen am See finden. Sie erklärt uns den Weg zu einer kleinen öffentlichen Badewiese, die zugänglich ist. Gegen 15 Uhr kommen wir endlich zur lange ersehnten Pause und geniessen von hier den tollen Ausblick direkt am Seeufer. Nachdem Hunger und Durst gestillt sind, checken wir noch die nächsten Campingplätze und entscheiden uns, die nächste Nacht am Keutschacher See zu verbringen. Ein kleiner See der nur durch einen kleinen Hügel getrennt, südlich vom bekannten Wörthersee liegt.

Mittagspause in Mojstrana

Mittagspause in Mojstrana

Auf dem Weg dorthin passieren wir einen Parkplatz, der mit alten und auch ein paar getunten VW Golf zugeparkt ist. Viele Leute sitzen auf Klappstühlen an der Strasse und scheinen auf irgend etwas zu warten. Ich vermute ein lokales Fantreffen von Golffahrern, aber als auch auf den nächsten Kilometern immer wieder kleine Gruppen am Strassenrand sitzen, merke ich, dass es hier wohl um etwas Grösseres geht. Auch auf den Strassen nimmt die Dichte an alten Golf und sonstigen getunten Autos merklich zu. Kurz bevor wir den Strandcamping Nord erreichen, muss ich meine Neugier stillen und halte vor einem Strassenrandsitzer an, um ihn zu Fragen, was hier los ist. Er sagt uns, dass es ein GTI-Treffen sei, er bereits seit 26 Jahren hier zu diesem Event komme und einfach da sitze, mit seinen Kumpels Bier trinke und den Autos zuschaue. Netterweise bietet er mir dann noch einen Schluck von seinem mitgebrachten Bier an, das nach seiner Aussage natürlich das Beste auf der Welt ist. Ich bin ja ein Netter und möchte ihm seine Gastfreundschaft nicht abschlagen und nehme einen Schluck. Na ja, weltbewegendes ist mir da jetzt auch nicht die Kehle runtergekullert. Wir verabschieden uns wieder, obwohl ich auch mit dieser Information immer noch etwas in der Luft hänge, aber zumindest weiss ich nun, nach was ich googlen muss, um noch etwas mehr darüber zu erfahren.

Wie aus dem nichts stehen wir plötzlich in dieser schönen Moorlandschaft

Wie aus dem nichts stehen wir plötzlich in dieser schönen Moorlandschaft

Keinen Kilometer nach diesem kurzen Schwatz erreichen wir den Campingplatz, wo uns ein Schild an der Reception darauf hinweist, dass wir im Strandcafé einchecken können. Dort werden wir wohl von der Tochter des Eigentümers empfangen, die uns zwar nicht einchecken kann oder darf, aber gerne ein kühles Bier und Wasser serviert. Bald taucht der Platzherr auf und meint, dass wir uns einfach irgendwo hin platzieren können, wo es uns gefällt. Abgerechnet wird dann morgen. Am Himmel zeichnet sich bereits das nächste Gewitter ab und so nehmen wir unser Bier und Wasser mit auf den Platz, um die Zelte noch vor dem drohenden Regen aufstellen zu können. Bei mir reichts nicht ganz, was mich aber nicht aus der Ruhe bringt. Die Alltagskleider sind im Trockenen und die warme Dusche wartet nur ein paar Meter neben meinem Zelt auf mich. Der Schauer wird dann aber so heftig, dass ich ihn erst mal für zehn Minuten im Zelt abwarten muss. Es regnet so stark, dass ich die 50 Meter zum Sanitärgebäude nur klitschnass schaffen würde und auf nasse Radkleidung hab ich Morgen früh bestimmt keine Lust. Isabelle hat da weiter gedacht und für solche Fälle immer einen Knirps auf ihren Touren dabei.

Zum kochen haben wir bei diesen Bedingungen keine Lust und hoffen in der Pension, die auf der anderen Strassenseite liegt, etwas zu essen zu bekommen. Leider wurde der Gastbetrieb eingestellt und so müssen wir nochmal Google bemühen, wo wir in etwa fünf Minuten Gehdistanz ein offenes Restaurant finden. Dort werden wir von einer feschen Dame in den Fünfzigern mit keckem Kurzhaarschnitt und zischenlnder Aussprache sehr freundlich empfangen. Die Karte bietet einen wilden Mix aus asiatischen, österreichischen und italienischen Speisen an. Ich entscheide mich für Pizza und Salat. Isabelle bestellt sich ein Curry. Wir geniessen ein hervorragendes Essen, während draussen gerade wieder die Welt unter geht. Nach dem Essen machen wir uns nochmal ein paar Gedanken, wie es morgen Richtung Leoben weiter gehen soll und versuchen auch noch ein paar Tipps von der sehr redseligen Chefin zu bekommen. Aber so richtig helfen kann sie uns Radreisenden dann doch nicht und weil die Planerei auf dem Handy so mühsam ist, besonders wenn man so gar keine Ahnung von der Gegend hat in der man sich gerade aufhält, gehen wir mit einem noch recht vagen Plan zurück zu unseren Zelten und legen uns schlafen.

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