Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 8: Dienstag, 27. Mai, 2025
Zwei Tourispots: Bled und Kranjska Gora

Radovljica – Kranjska Gora

Karte Tag 8

59 km | ↗ 580 m | ↘ 390 m

In der Nacht hat es zum Teil wieder heftig geregnet und es gibt angenehmeres als sich bei solchem Wetter aus dem warmen Schlafsack zu schälen und draussen in der feuchtkalten Morgenluft zu Frühstücken. Der trübe Himmel lässt für den Moment auch keine Besserung erkennen. Aber es regnet wenigstens zum Abbauen der Zelt und Frühstücken nicht und so belegen wir wieder den Grillofen, den wir gestern schon zum kochen und essen in Beschlag genommen hatten. Bänke und Tische gibt es auf diesem Platz keine und so ist der Grill die Einzige Möglichkeit die wenigstens ein paar kleine Ablage- und Arbeitsflächen bietet, um unser Frühstück zuzubereiten. Es gibt frisch gebrühten Bialetti Kaffee mit Müesli. Heute sogar mit frischen Bananen und den letzten Erbeeren aus Ljubljana verfeinert. Passt.

Gegen zehn geht es kühl und wolkenverhangen Richtung Bled weiter. Unser Camping in Radovljica liegt nur sieben Kilometer vor diesem bekannten Ort und der Weg dorthin geht fast ebenaus. Am See angekommen finden wir eine gepflegte Promenade vor, die zum spazieren einlädt. Wir knipsen ein paar Fotos und geniessen die idylische Berglandschaft die den leuchten grünen See umgibt. Mich faszinieren die schnurgeraden Bahnen die für die Sportruderer hier über den ganzen See gespannt sind. Ein einzelner Ruderer zieht schon seine Bahnen über das spiegelblanke Wasser. Dieser Ort strahlt auf mich eine wunderbare Ruhe aus, die ich für diesen kurzen Moment geniesse und in mir aufsauge. Aber wir wollen weiter, es stehen heute wieder ein paar Höhenmeter mehr an wie gestern und das Wetter ist auch äusserst unsicher. Unsere Route führt weiter dem See entlang. Immer wieder öffnen sich zwischen der Strasse und dem Seeufer schöne Blicke auf das weltbekannte Inselchen mit der Kirche. Auf einer Infotafel habe ich gelesen, dass es in der Kirche auf der Insel eine Wunschglocke gibt, an der man läuten kann und sich dann ein Wunsch erfüllen soll. Man hört die Glocke ziemlich oft läuten, was darauf schliessen lässt, dass schon ein paar Touristen dort sind. Grössere Fähr-Ruderboote die vielleicht 20 Passagiere aufnehmen können, bringen die Gäste auf das kleine Eiland. Der Fährmann rudert hinten auf dem Heck stehend das Boot zwischen Insel und Festland hin und her. Auch wenn dieser Touristenspot in der Hochsaison bestimmt massloss überfüllt sein dürfte, würde ich mir den Besuch der Insel, wenn ich mehr Zeit hätte nicht entgehen lassen.

Am Eingang des Radovna Tales hat uns der Regen wieder

Am Eingang des Radovna Tales hat uns der Regen wieder

Wir begnügen uns aber mit zwei, drei kurzen Fotostopps und sind gespannt, wie es am Ende des Sees weiter geht. Ein erster Aufstieg bringt uns am Bahnhof vorbei erst mal gut 100 Meter höher ins kleine Dörfchen Zgornje Gorje, wo es wieder zu nieseln anfängt. Ein geöffneter Supermarkt kommt hier gerade zur rechten Zeit und so füllen wir unsere Trink- und Essvorräte wieder auf. Von Bled folgen wir dem ausgeschilderten Radweg. Der umfährt das verkehrsreiche Haupttal auf rund 20 Kilometern durch das schöne Radovna-Tal, dem gleichnamigen Fluss folgend. Auf diesem Teilstück befinden wir uns im Triglav Nationalpark. Kurz nachdem wir die Eingangstafel passiert haben, tut sich direkt vor uns wieder ein heftiger Regenvorhang auf. Die Hoffnung, dass wir da nicht direkt hinein fahren, löst sich nach keinem Kilometer in Luft auf. Wir halten am Strassenrand unter einem grossen Baum, dessen dichtes Blätterdach uns gerade noch fürs Umziehen einigermassen trocken hält. Den Schauer den wir in der nächsten Stunde durchfahren ist wieder ziemlich heftig. Das Tal ist extrem schön und ich versuche mir unter der tief herunter gezogenen Kapuze vorzustellen, wie es wäre, wenn wir das bei Sonnenschein geniessen könnten. Ist aber leider nicht und so radeln wir mit starrem Blick durch das von tiefen Wolken verhangene, graue Tal. Es ist sehr ungemütlich und um mich wieder ein bisschen zu motivieren und bessere Laune zu bekommen, knips ich auf meinem Handy das regengeschützt in der Lenkertasche liegt ein paar puschende Housetracks an. Ich bin selber überrascht, wie die Mucke meine Stimmung hebt und der Rhythmus mich voran treibt. Normalerweise ist Musik für mich beim Velofahren tabu. Wir werden im Alltag schon genug von allerei Quellen berieselt. Kurz bevor die Strasse über eine kleine Kuppe wieder ins Haupttal mündet, werden wir noch mit einer 18% Rampe belohnt, die für ein paar Minuten wieder alles von uns abverlangt. Zum Glück lässt der Regen am Ende des Radovna-Tales endlich nach und als der Puls auf 200 steht und die fiese Steigung geschafft ist, schliessen sich die Himmelspforten noch ganz und so werden wir am Schluss wenigstens noch mit einer schönen Abfahrt belohnt.

Mittagspause in Mojstrana

Mittagspause in Mojstrana

Im Bergsteigerdorf Mojstrana, wo unsere Radroute wieder aufs Savetal trifft, lugt sogar die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und als wir am Dorfrand ein sonniges Bänklein, direkt an der Save entdecken, machen wir Mittagspause. Wir haben immer noch Wurst, Käse, ein Döschen Leberwurst und Brot, das wir vor dem Regen im Supermarkt gekauft hatten. Das sah im Laden recht lecker aus, entpuppt sich aber als ziemlich trocken und fad. Egal. Wir hängen unsere nassen Regenkleider über die Räder zum trocknen auf und geniessen die wärmende Sonne und unseren Lunch. Gestärkt geht es dann wieder trocken und teils sogar bei Sonnenschein auf dem Bahnradweg sehr entspannt Richtung Kranjska Gora. Es geht zwar stetig bergauf, aber easy, so wie man es von Bahnradwegen kennt. Dumm nur, dass uns der nächste Regen zehn Minuten vor Kranjska bereits wieder einholt. Ich bin zu faul die Regenhosen nochmal anzuziehen und so gibts nochmal nasse Beine, bis wir kurz vor 16 Uhr das Dorf erreichen und uns zum aufwärmen und etwas abtrocknen in ein Café setzen.

Schöner Radweg nach Kranjska Gora

Schöner Radweg nach Kranjska Gora

Die Kremšnita in der Auslage sehen vorzüglich aus, da kann ich natürlich nicht nein sagen und gönne mir ein Schnittchen, das unseren Cremeschnitten übrigens sehr ähnlich ist. Da es sich draussen wieder eingeregnet hat, bleiben wir ein Weilchen sitzen und ich nutze die Zeit, um ein paar Zeilen im Tagebuch zu schreiben und mit Isabelle zu besprechen, wie wir nun die nächsten Etappen angehen. Am Ende sprechen die Argumente klar gegen den Vršič-Pass, sodass wir umplanen und über den Wurzenpass, ein paar Kilometer talaufwärts direkt nach Österreich fahren und dort dann die weitere Route nach Leoben, Stück für Stück weiter planen. Die Entscheidung fiel nicht sehr schwer, auch wenn ich diesen von vielen so gelobten und schönen Pass sehr gerne gefahren wäre, aber die Argumente für eine Routenänderung wogen zu stark. Zum einen ist es das unsichere Wetter, wo die Chancen sehr hoch stehen, dass wir gegen Nachmittag wieder verregnet würden, da wir ja vor 17 Uhr den Pass gar nicht überqueren können und am Ende wahrscheinlich im Regen und dicken Nebel eh nichts von der schönen Gegend mitbekämen. Dazu kommt, dass Isabelle sich nach sieben strengen Tagen nicht sicher ist, ob sie sich diese beiden heftigen Anstiege wegen all dieser Unsicherheiten noch antun möchte. Wär ich allein unterwegs gewesen, hätte ich wohl die geplante Tour durchgestiert, mit dem Risiko, bei Scheisswetter durchnässt und im Nebel bei null Sicht über den Pass zu fahren. Und natürlich hätte ich mich geärgert, dass der Munigrind mal wieder nicht von der geplanten Route abweichen wollte, nur weil ihm was vermeintlich Schönes vielleicht entgangen wäre. Aber dank meiner vernünftigen Begleiterin, war der getroffene Entscheid goldrichtig und der weitere Verlauf bot noch so einiges, was uns beide in Verzückung versetzte.

Zeltaufbaubierchen auf dem Natura Eco Zeltplatz

Zeltaufbaubierchen auf dem Natura Eco Zeltplatz

Kurz vor sechs hellt es wieder auf und so erreichen wir nach zehn Minuten den Campingplatz. Die Fahrt dorthin lässt mich befürchten, dass es dort feucht und dunkel ist, führt der Weg doch unten im Talboden über eine ziemlich nasse Waldstrasse durch einen Wald. Als wir aber den Platz erreichen, sehen wir uns plötzlich in einem verwunschenen Kleinod. Das Natura Eco Camp ist eine liebevoll gestaltete Anlage mit grosser Liegewiese und hübsch dekorierter Sanitäranlage und Kochstelle. Alles outdoor und sehr einfach, aber zweckmässig und sauber.

Fürs Abendessen setzen wir uns an einen der überdachten Tische und kochen uns Giovanni Rana Ravioli an Gorgonzolasauce. Da kann man nichts falsch machen, ausser den hässlichen abgepackten geriebenen Parmesan drüber zu streuen. Was an diesem Käse Parmesan sein soll, frage ich mich jetzt noch ;-) Das Essen schmeckt und ich bleibe danach noch einen Moment sitzen, um zu schreiben, aber die Müdigkeit überkommt mich sehr bald und so schaffe ich es nicht, alles aufzuarbeiten und verzieh mich in mein Zelt.

Tag 7 Zur Übersicht Tag 9