Tag 7: Montag, 26. Mai, 2025
Überraschung in Brezje und olympische Schlafstätte
Ljubljana – Radovljica
59 km | ↗ 580 m | ↘ 390 m
Ferienmodus: Um sieben wache ich auf und klettere über die Schränkchen in die Küchen-Ess-Wohnstube hinunter. Isabelle schläft noch und ich bin ganz froh, ein paar Minuten Zeit zu haben, um meinen Krempel schon mal ein bisschen zusammenzuräumen. Einen kurzen Moment später krabbelt auch Isabelle aus dem Hochbett. Wir haben uns in unserem kleinen Heim ganz schön breit gemacht und so braucht es ein Weilchen, bis alles wieder in unseren Packtaschen verstaut ist. Während Isabelle sich unter die Dusche stellt, checke ich noch kurz, ob ich ein schönes Lokal fürs Früchstück finde. Wir entscheiden uns dann gemeinsam fürs Petit Café. Hier soll es gutes Frühstück mit frischen Croissants und Sandwiches geben. Das Lokal ist etwas ausserhalb der Altstadt, in knapp zehn Minuten gut zu Fuss erreichbar. Der Himmel ist wolkenlos und die Sonne wärmt schon gut, als wir die schöne Location erreichen. Ein repräsentatives Altstadthaus mit toller Fassade. Es gibt einen gemütlichen, mit Holzplanken ausgelegten Aussenbereich unter schattenspendenden Bäumen. Ein paar Tischchen sind schon belegt, aber es gibt noch genug freie Plätze an der wärmenden Sonne. Die Sezenerie hier erinnert mich an Paris, einzig die eigenartige Sprache die hier gesprochen wird, passt nicht so ganz. Die Frühstückskarte bietet ein paar schöne Leckereien und nachdem es gestern «nur» ein Fleischplättli gab, freue ich mich auf ein frisch gebackenes Croissant und Toast mit hausgemachter Marmelade. Dazu einen Caffè Latte. Isabelle gönnt sich zum Croissant ein Bananenbrötchen mit Erdnussbutter. Sowas bekommt man jetzt auch nicht gerade in jedem Café zum Frühstück. Und weil es hier so lauschig und gemütlich ist, gibts zum Nachschlag noch einen Cake of the day und einen zweiten Caffè. Der Kuchen ist eine Wucht und wir sind beide von diesem Kaffeehaus begeistert, obwohl wir erst nach einem Weilchen realisieren, dass wir gar nicht im Petit Café sitzen, in das wir ursprünglich wollten, sondern im Bazilika Križanke gelandet sind. Hier gibt es nämlich zwei Cafés die nebeneinander liegen und sich einzig durch andere Tische und Stühle unterscheiden. Erst da realisieren wir dann auch realisieren, dass die «anderen Stühle» aus einer anderen «Türe» bedient werden ;-) Egal. Wir sind uns einig, dass das ursprünglich Gewählte dem Bazilika Križanke wahrscheinlich in nichts nachgestanden wäre, denn es sieht auch sehr gemütlich aus und was ich darüber im Internet gelesen hatte, klang ja auch gut.
Gemütlich Frühstücken im Bazilika Križanke
Auf dem Rückweg lassen wir uns etwas Zeit und schlendern kurz nach neun wieder zurück. Isabelle braucht noch eine neue Schlafmatte, da ihre undicht geworden ist. Einer der Outdoorshops in Ljubljana ist nur ein Steinwurf von unserer Unterkunft entfernt und nach kurzer Beratung ist die neue Unterlage gekauft. Danach werden die Räder gepackt und bevor es los geht, machen wir noch einen Schwenk über den Markt, wo vielleicht ein Viertel der Stände belegt sind. Es riecht nach Erdbeeren. Die leuchten in kräftigen Farben mit Kirschen, Himbeeren und weiterem frischen Obst und Gemüse an den Ständen um die Wette. Und weil auch die Himbeeren so wunderbar aussehen, kaufen wir auch davon noch ein Körbchen. Wir versuchen die heiklen Früchte möglichst sorgfältig zu verpacken, damit wir beim nächsten Halt auch in frische Beeren beissen können und nicht vermatschtes Mus löffeln müssen. Dann sind wir parat und machen uns bei strahlend blauem Himmel auf die heutige Etappe.
Die erste Stunde ist recht belanglos. Viel befahrene Einfallstrassen, Industriezonen und langweile Wohngegenden säumen unseren Weg, bis es endlich wieder etwas ruhiger und ländlicher wird. Die Radwege sind hier in keinem guten Zustand und nicht wirklich angenehm zu fahren. Besonders mit voll beladenen Tourenrädern und unserer heiklen Fracht macht das keinen Spass. Zudem versperrt eine grosse Baustelle die Velospur, was bei dem Verkehr auch keine Freude ist. So sind wir ganz froh, als wir wieder auf ruhigere Nebenstrassen kommen. In Valburga machen wir einen ersten kurzen Beerenstopp. Mitten im Dorf hat es an einem Kreisel ein einladendes Bänkchen wo wir uns hinsetzen und von unseren süssen Früchten naschen und uns beim Kartenstudium etwas Übersicht verschaffen, was uns noch erwartet. Die Sonne brennt inzwischen ziemlich heftig und treibt uns den Schweiss auf die Stirn.
Blick in die Berge
Gegen 13 Uhr erreichen wir Kranj und weil uns am Stadtrand ein riesiger Interspar Supermarkt anlacht, machen wir kurz Halt, um uns fürs Mittag- und Abendessen mit dem Nötigsten einzudecken. Als wir aus dem Center heraustreten haben sich die Wolken, die zuvor nur weit hinten über den Bergen zu sehen waren, wie aus dem Nichts über Kranj geschoben und verheissen gar nichts Gutes. Eigentlich wollten wir uns im Städtchen, das gemäss Reiseführer recht hübsch sein soll, ein schönes Plätzchen in einem Park oder Platz suchen und dort unser Eingekauftes vespern. Dumm nur dass die Regenfront schneller ist und wir uns vor dem Wolkenbruch gerade noch unter ein Vordach eines Gewerbehauses flüchten können. Kein schöner Ort, aber wir nutzen die Gelegenheit, sitzen den Regen aus und essen gleich hier unser Mittagessen. Es gibt Salami, Mortadella, Camembert, Brötchen und ein paar Tomätchen, dazu das obligate Fanta. Isabelle setzt sich auf ihre Discomatte auf den Boden, ich montiere schnell meinen Campinstuhl. Na, geht doch! Nach einer halben Stunde ist dann der Schauer ausgesessen und wir machen uns wieder auf den Weg.
Die nächste Regenfront ist im Anzug
Allzu lange sind wir nach der Pause aber nicht unterwegs, denn schon um halb vier erreicht uns die nächste Gewitterzelle. Aber wir sind achtsam, checken immer wieder den Regenradar und beobachten die dunkelschwarze Wolkenwand, auf die wir direkt zusteuern sehr genau. Wir schauen auf Google Map, wo sich das nächste Restaurant befindet und steuern es an. Just als wir dort ankommen beginnt es wieder zu regnen. Aus der Anfangs geschätzten Stunde, die wir draussen unter dem Vordach warten wollen, werden geschlagene zweieinhalb Stunden. Wir verschieben uns beim immer stärker werdenden Regen bald mal nach Drinnen, weil es uns draussen zu frisch wird und bestellen nochmal was zu trinken. Ich nutze die Zeit, um mein Tagebuch nachzuführen, während Isabelle sich dem Reiseführer widmet.
Regen aussitzen
Gegen 18 Uhr lässt der Regen dann so weit nach, dass wir in die Regenkleider schlüpfen und weiter fahren können. Anfangs nieselt es noch, aber wir möchten noch bis nach Radovljica radeln, das ein paar Kilometer vor dem bekannten Touristenort Bled liegt. Unterwegs kommen wir an einem Dorf vorbei, wo ich mir schon denke, dass die Kirche hier wohl etwas grösser zu sein scheint, weil mehrere Wegweiser auf eine «Basilika» hinweisen. Inzwischen hat der Regen aufgehört und die Sonne blitzt immer mal wieder hinter den tief hängenden Wolken hervor. Als wir auf unserer Route das Dorf gerade hinter uns lassen, strahlt uns beim zurückblicken eben diese Basilika an. Der Kontrast von der hell angestrahlten Kirche zum dunklen Wolkenvorhang im Hintergrund bietet ein phantastisches Bild. Da ich solche Orte nur schwer ignorieren kann, frage ich Isabelle, obwohl wir recht spät dran sind, ob sie einverstanden ist, uns diese Kirche doch noch kurz anzusehen. Sie willigt gleich ein und wir staunen nicht schlecht, als wir vor diesem eindrücklichen Sakralbau stehen und uns auf einem Schild erklärt wird, dass wir hier vor einem nationalen Monument stehen. Wir sind in Brezje und auf der Infotafel steht dann noch weiter, dass die Basilika «Das slowenische Marien-Nationalheiligtum» ist. Oha! Ein grosser Souvenirshop, ein Café, ein Restaurant und der riesige Bus- und Autoparkplatz lassen darauf schliessen, dass hier tagsüber so einiges los sein dürfte und die Anlage in der Hochsaison einem grösseren Touristenansturm gewachsen zu sein scheint. Wir möchten uns dann natürlich die Kirche auch schnell von Innen anschauen, aber es findet, wie wir es uns inzwischen hier in Slowenien schon gewohnt sind, gerade wieder ein Gottesdienst statt. So knipse ich nur schnell vom Eingang aus ein Foto in das imposante Innere der Basilika. Ich hätte mir das gerne etwas genauer angeschaut, aber ich will natürlich nicht als ignoranter Tourist die Gläubigen stören, die hier Ruhe suchen. Auf dem Platz vor der Basilika steht noch eine Statue von Papst Johannes Paul II, der die Kirche 1988 zur «Basilika Minor» erhob. Seit dem 18. Jahrhundert ist dies ein besonderer Ehrentitel den der Papst einem bedeutenden Kirchengebäude verleihen kann. Wir schauen uns noch den Friedensgarten an, der auf das Kirchenportal zuläuft. Eine Wiese gesäumt von Bäumen auf beiden Seiten, in deren Mitte ein gerader Weg auf eine Herzskupltur zuläuft, die im Zentrum dieser Anlage steht. Die Herzform ist aus zwei aneinanderstehenden Steinen herausgearbeitet. Dahinter steht am Ende des Weges ein grosses Kreuz. Je nach Standort sieht man durch das Herz entweder das Kreuz oder die Basilika. Ein schöner Ort.
Übersichtskarte Basilika Maria Hilf
Hach diesem ungeplanten Abstecher radeln wir die letzten Kilometer ohne weitere Stopps nach Radovljica, wo wir um 19:45 Uhr den Zeltplatz erreichen, der zu einer grossen Olympia-Schwimmsportanlage gehört. Die Anlage ist zugesperrt. Campinggäste erhalten einen Batch, mit dem sich das Haupttor öffnen lässt. Während sich Isabelle unsere Parzelle auf dem fast leeren Gelände zeigen lässt, düse ich noch schnell zum Spar am Dorfrand, um den Rest fürs Abendessen einzukaufen. Der Zeltplatz ist jetzt nicht gerade der Burner, aber ok. Die Sanitäranlagen sind modern und sauber. Die Zeltwiese ist vom heftigen Regen ziemlich weich und es ist gar nicht so einfach, auf der zugewiesenen Parzelle das Zelt an einer einigermassen «trockenen» Stelle aufzustellen. Erst als es am eindunkeln ist, sind wir fürs Abendessen parat und beginnen zu kochen. Wir hatten die geniale Idee ein Spargelrisotto zu machen, was mit der sehr einfachen Trangia-Küche etwas gar ambitioniert ist. Wir kochen viel zu viel und werden das übrige Risotto die nächsten Tage noch brav durch Slowenien gondeln. Irgendwann, sehr spät, gehe ich auch noch duschen und leg mich dann müde ins Bett.