Tag 6: Sonntag, 25. Mai, 2025
Pausentag in Ljubljana
Ljubljana
Nachdem Isabelle gestern Abend schon ihre Wäsche gewaschen hat, tu ich es ihr heute nach dem Aufstehen gleich. Nach fünf Tagen Schweiss und Regen, ist es auch bei mir Zeit, mal das nötigste zu waschen. Danach gehts zum Frühstück in die Stadt. Das erste Restaurant gleich nebenan behagt mir nicht, weil ich gerne ein Brötchen mit Marmelade hätte, es hier aber nur Eierspeisen gibt. Der Kellner ist aber sehr freundlich und sagt uns, wo wir das Gesuchte finden können. Das besagte Lokal liegt an der Promenade direkt am Fluss. Ein gemütlicher Ort, wo wir uns gerne niederlassen. Dort wähle ich dann trotz meines ursprünglichen Verlangens ein Fleisch- und Käseplättchen mit frischem knusprigen Brot, das recht lecker schmeckt.
Morgendliche Idylle an der Ljubljanica
Gestärkt geht es dann zur Touristen-Info, wo wir uns ein paar Minuten nach elf noch an eine englische Gruppe anschliessen können, die bereits losgegangen ist. Unseren Führer schätze ich um die dreissig. Ein smarter und witziger Typ, der uns viel interessantes zu erzählen hat und die Gruppe gut unterhält. Wir erfahren zum Beginn der Tour im Lichthof des Rathauses eine Einführung in die slowenische Geschichte und den engen Beziehungen zu Österreich, was mir als Noop alles nicht bekannt war. In Wahrheit weiss ich eigentlich gar nichts über dieses schöne und interessante Land. Dank unserer Reise hat sich das wenigstens ein kleines bisschen geändert und ich hoffe, dass das eine oder andere nun doch hängen geblieben ist. In einem Referendum im Dezember 1990 stimmten 88,2% der Bevölkerung für die Eigenstaatlichkeit. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 und dem 10-Tage-Krieg, wurde am 8. Oktober 1991 die Unabhängigkeit Sloweniens in Kraft gesetzt. Zu Fuss geht es weiter durchs historische Zentrum, mal links, mal rechts der Ljubljanica folgend. Jugendstil und Barock dominieren die prächtigen Fassaden der Altstadt. Viele schöne Plätze, Promenaden, Cafés, Bars und Restaurants prägen die Szenerie. Wir erfahren einiges über die Stadtgeschichte und ihre prachtvollen Gebäude, oder auch wie es zu einer der Hauptattraktionen der Stadt, den berühmten drei Brücken kam. Witzig auch die Geschichte beim Prešeren-Platz bei den Drei Brücken, wo die Statue des Dichters Fance Prešeren steht. Über ihm steht seine barbusige Muse. Anscheind störte sich das Kirchenoberhaupt der mächtigen Franziskanerkirche, die diesen Platz dominiert, dass man vom Kirchportal aus direkt auf die entblössten Brüste der Muse sah und pflanzte aus diesem Grund eine Pappel als Sichtschutz. Ob die Geschichte stimmt oder nicht, konnte ich im Nachhinein nicht mehr verifizieren, da ich dazu nichts im Internet fand. Aber es spielt auch keine Rolle. Solche kleine Anekdoten werten doch jeden Stadtrundgang auf und bleiben in Erinnerung. Weiter gehts zum Schloss, das hoch über der Stadt thront und heute ein Touristenmagnet ist. Es beherbert heute Museen, Restaurants und Bars. Eine kleine Standseilbahn bringt uns bequem auf den Hügel. Hier oben endet dann nach gut zwei Stunden die Stadtführung und die Gruppe verstreut sich schnell in alle Himmelsrichtungen. Nachdem wir von der Aussichtsplattform den Blick über die Stadt und weit hinein ins Triglav-Massiv genossen haben, lassen wir uns von der Standseilbahn wieder hinunter in die Stadt fahren.
Über der Stadt thront die Burg
Wir suchen uns unten bei den Markthallen einen freien Platz im sehr gut besetzten «Moji štruklji Slovenije», einem Restaurant, das die typisch strudelähnlichen Struklji in zahllosen Varianten anbietet. Der Unterschied zum Strudel ist, dass die Strudel gebacken werden, während die Struklji gekocht oder gedämpft sind. Der Teig ist praktisch identisch und die Füllungen sind vielfältig. Struklji gibt es in süssen und salzigen Varianten. Weil mein Hunger nicht allzu gross ist, ist für mich ein Fleisch-Struklji genau richtig und weil die Teile nicht sehr gross sind, bleibt am Ende auch noch Platz für eine süsse Variante zum Dessert. Ich weiss nicht mehr wie mein Ding hiess, aber es war mit Apfel, Mohnsamen, Quark und noch was gefüllt. Yummie.
Nach der Mittagspause möchten wir noch die Kirche besichtigen, aber die ist für Touristen bis 17 Uhr nicht zugänglich, weil gerade ein Gottesdienst stattfindet. So entschliessen wir uns, zurück in unser Tiny-Studio zu gehen um die Fahrräder zu holen und den Sight-Seeing Radius mit dem fahrbaren Untersatz noch etwas auszuweiten. Auch die zweite Reihe, rund um den historischen Stadtkern soll recht hübsch sein und mich ziehts in den grossen Stadtpark, der hier Tivoli heisst. Auf dem Weg dorthin «muss» ich aber erst noch in den Shokoladen-Shop, um die Dragon-Schokokugeln zu probieren, die uns zuvor auf der Stadtführung schon empfohlen worden sind. Es heisst sie seien besser als die bekannten Mozartkugeln. Vor dem Geschäft steht immer noch der kleine Verkaufsstand an dem wir bei der Führung schon die gebrannten Mandeln versuchen durften. Der Werbedeal hat auf jeden Fall funktioniert und hat Schleckermäulchen Pierre wieder hierher geführt. Ich husche ins kleine Verkaufslokal, wo ein süsser Schokoladenduft in der Luft liegt. Der Verkäufer und die Verkäuferin, die vor dem Lokal stehen, machen keine Anstalten, ins Lokal zu kommen und so greife ich mir eine der Dragon Kugeln, packe sie aus und probiere sie. Die Dinger heissen Dragon Kugeln, weil Ljubljana auch als Drachenstadt bekannt ist. Sie trägt den Drachen im Wappen und auch die bekannte Drachenbrücke schmücken vier imposante Drachenstatuen. Die Drachen sind in der Stadt überall zu finden und allgegenwärtig. Den Degutest besteht diese Leckerei und erhält von mir fünf von fünf Punkten. Just in diesem Moment kommt die Verkäuferin ins Lokal und mit einem Lachen erkläre ich, dass ich ihre Leckerei ja nicht unversucht kaufen könne. Ich packe mir dann als Mitbringsel ein paar Kugeln ein und bezahle natürlich auch mein Versucherle.
Nun geht es per Rad Richtung Tivoli. Auch die zweite Reihe, rund ums Zentrum ist durchaus sehenswert. Den Park schon im Blick, macht mich ein grosser Schriftzug BAROK auf eine Ausstellung im Kunsthaus aufmerksam. Ich erwähne mehr nebenbei, dass ich die Barok-Ausstellung durchaus sehenswert fände, worauf Isabelle als Museumsfan gleich auf diesen Zug aufspringt und so entscheiden wir spontan, die Ausstellung zu besuchen. Es ist 16 Uhr. Das Museum hat bis 17 Uhr geöffnet und so kaufen wir uns für acht Euro Tickets und schauen, was die Engelchen des Barocks so zu bieten haben. Natürlich sind vor allem Bilder aus der Barockzeit ausgestellt, z.T. aber auch Deckenbilder von Kirchen, ein grosser Altar und ein paar Skulpturen. In einer guten Stunde sind wir durch und auch mir als Kunstbanause hat es ganz gut gefallen. Natürlich lassen wir uns nach der Kulturstunde den Tivolipark nicht entgehen, auch wenn wir aus zeitlichen Gründen nur noch einen kleinen Teil davon zu sehen bekommen. Ich bin auf jeden Fall begeistert und finde die Anlage super schön. Vom Kunsthaus kommend läuft man direkt in eine Allee an deren oberen Ende etwas erhöht, ein altes Herrschaftshaus steht. Sonnenschirme auf der Terrasse deuten auf ein Kaffeehaus hin. Ein perfekter Ort um unsere ausgetrockneten Kehlen wieder etwas anzufeuchten und die nächsten Tage zu planen. Wir bestellen etwas zu trinken und studieren die gespeicherte Route auf Komoot und Google Maps. Für die grössere Übersicht hat Isabelle eine Papierkarte mitgenommen, die auch immer sehr hilfreich ist. Der Vršič Pass ist immer noch die grosse Herausforderung, aber bis dorthin, haben wir nun die nächsten Übernachtungsorte geplant. Inzwischen sind wir zumindest so schlau, dass wir wissen, dass nur der obere Teil der Passstrasse bis 17 Uhr gesperrt ist und wir diesen Punkt am Mittwoch anpeilen möchten, damit wir dann pünktlich beim Öffnen der Sperrung die letzten Höhenmeter bis zur Passhöhe noch in Angriff nehmen können und zeitig in Bovec ankommen, wo wir übernachten wollen.
Endlich Sonne, schöne Landschaft auf dem Weg zur Felsenburg
Nachdem klar ist wie es morgen weiter geht, machen wir uns auf den Heimweg. Die Zeit zerrinnt uns schon wieder zwischen den Fingern. Isabelle möchte noch duschen und wir wollen nicht zu spät zum Abendessen gehen. So radeln wir zurück in die Altstadt und während Isabelle unter der Brause steht, checke ich ein paar Restaurantempfehlungen im Internet. Einige sehr gut klingende Lokale haben am Sonntag Abend geschlossen und so fällt die engere Auswahl dann aufs Gostilna Šestica. Ein Traditionshaus das nach eigener Werbung seit 1776 exisitert. Die Karte klingt rustikal traditionell und so spazieren wir in gut zehn Minuten von unserer Unterkunft dort hin. Das Restaurant liegt nicht mehr ganz im Zentrum, aber in einer netten Umgebung. Als wir eintreten, bin ich ziemlich überrascht. Der Laden wirkt richtig edel. Die Tische sind weiss gedeckt, die Kellner alle schick in Hemd und Kravatte unterwegs. Ich hatte wegen der Karte eher mit etwas einfacherem, rustikalen gerechnet. Das Haus ist ziemlich ausgebucht und das internationale Sprachengewirr lässt darauf schliessen, dass hier hauptsächlich Touristen essen. Ein Kellner führt uns an unseren Tisch und schon beim hinlaufen, lachen mich ein paar Gerichte an, die andere Gäste vor sich stehen haben. Die Speisekarte ist recht umfangreich und ich habe Mühe mich zu entscheiden. Am Ende wähle ich Kalbsmedaillons, die ich schon am Nachbartisch gesehen habe. Zur Vorspeise gibt es ein Rohschinken-Plättchen mit Grillgemüse. Das schmeckt schon mal vorzüglich. Auch der Hauptgang mundet und der emfpohlene Wein passt wunderbar dazu. Gegen neun leert sich das Lokal dann ziemlich schnell, wohl auch weil ein paar Reisegruppen gleich mehrere Tische belegt haben und gleichzeitig das Haus verlassen. Auch wir machen uns bald auf den Heimweg und geniessen noch einmal Ljubljana bei Nacht. Wunderschön. Zum schreiben komme ich heute nicht mehr. Ich bin zu müde und damit hänge ich mit Tagebuch schreiben schon gleich wieder hinterher.
Franziskanerkirche am Prešeren-Platz