Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 5: Samstag, 24. Mai, 2025
Höhlenburg und Sonne pur

Postojna – Ljubljana

Karte Tag 5

88 km | ↗ 1220 m | ↘ 1500 m

Sonne! Endlich wieder Sonne! Nur die Temperaturen sind nach dem Aufstehen noch ziemlich eisig. Um 6:45 Uhr klingelt mein Wecker. Wir möchten zeitig los, weil wir heute bis Ljubljana kommen möchten. Das sind knapp 90 Kilometer und über 1000 Höhenmeter. Und natürlich möchten wir uns zuerst noch die Höhlenburg anschauen. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Sloweniens. Obwohl wir so früh aufgestanden sind, kommen wir erst nach neun Uhr los, aber was solls. Wir haben ja Urlaub. Frühstück machen, Abwaschen, Zelt zusammenpacken kostet immer viel Zeit. Dafür ist man dann gut verpflegt und kann easy bis zum Mittagessen durchradeln. Doch bevor wir losfahren, möchten wir noch einen Blick in die tiefe Schlucht werfen, in die man über eine Treppe neben dem Hauptgebäude hinabsteigen kann. Leider stehen wir aber schon nach vielleicht 100 Treppenstufen vor einem hohen verschlossenen Tor. Die üppige Vegetation in diesem Schlund versperrt uns auch die Sicht nach ganz unten und so bleibt dieses «Loch» in diesem Moment ein Mysterium.

Als ich nun diese Zeile aus meinem Notizbuch abschreibe treibt mich die Neugier nochmal an, mehr über diesen Ort zu erfahren und ich habe beim googlen herausgefunden, dass die Treppe wohl der Ausgang der touristisch erschlossenen Karsthöhlen Pivka Jama und Crna Jama ist. Die Highlights sind beeindruckende Kavernen mit riesigen Tropfsteinen und die unterirdisch fliessende Pivka (spricht sich übrigens Pjuka aus) der man auf einem Teilstück auch folgen kann. Das komplette System ist gemäss Wiki 24 km lang und es sind die zweitgrössten Tropfsteinhöhlen der Welt, die für Touristen zugänglich sind. Eine der Höhlen ist sogar durch einen 3,5 km langen Grubenzug erschlossen. Und schon im Krieg wurden die Höhlen auch durch das Militär genutzt und zum Teil begehbar gemacht. Da ist uns vor unserer Nasenspitze ein echtes Highlight entgangen. Hätten wir das gewusst, hätten wir hier vielleicht einen Pausen- und Entdeckungstag eingelegt.

Endlich Sonne, schöne Landschaft auf dem Weg zur Felsenburg

Endlich Sonne, schöne Landschaft auf dem Weg zur Felsenburg

Als wir uns nach neun endlich auf den Weg machen, ist die Temperatur schon merklich gestiegen und so radeln wir erst aus dem schönen Wald hinaus und über herrlich blühende Blumenwiesen bergauf ins nächste kleine Dörfchen. Von dort gehts dann ein paar Kilometer zurück zur Höhlenburg. Die Landschaft die wir bei stahlblauen Himmel durchfahren ist wie aus dem Bilderbuch. Kleine Dörfchen, eingebettet in eine wunderschön hügelige Landschaft. Saftige Blumenwiesen, kleine ruhige Strässchen, einfach ein Idyll wo einzig ein paar giftige Aufstiege das Leben erschweren. Gegen 10 Uhr erreichen wir die Burg. Natürlich sind schon ein paar Touristen vor Ort, aber alles ist relaxed und angenehm ruhig. Ich möchte nicht wissen, was hier in der Hochsaison los ist. Der grosse Carparkplatz lässt da schlimmes erahnen. Neben den Eintrittskarten bekommt man Zugang zum deutschen Audioguide, den man sich aufs Handy laden kann. Die einzelnen Orte sind durch Nummern markiert. Dies hilft bei der Orientierung nur hat bei mir der Download nicht richtig geklapt und in der Burg und den Höhlen ist der Handyempfang nicht sehr gut, sodass ich ein paar Geschichten in den ersten Räumen nur teilweise hören kann. Irgendwann klappt dann aber der Download und ab da bin ich voll in der Geschichte drin. Die Burg galt als uneinnehmbar und wurde aus diesem Grund belagert. Die Idee war, die Bewohner auszuhungern und die Burg auf diesem Weg einzunehmen. Nur wussten die Angreifer nichts von dem dahinter verborgenen Höhlensystem und dem Fluchttunnel über den sich Belagerten Zugang und Lebensmittel beschaffen konnten. Wasser sammelten sie indem sie das heruntertropfende Wasser auffingen. Da sieht man noch ein paar in den Fels gehauene Rinnen und Wannen. Lustig ist auch die Geschichte vom Ritter Erasmus, der am Ende doch den Tod fand und zwar ... auf der Toilette. Durch Bestechung eines Bewohners wussten die Belagerer, dass das aussen gelegene Klo nur durch eine dünne Mauer geschützt war und ein Lichtsignal eines Verräters gab den Angreifern ein Signal, dass Erasmus auf der Toilette sass. Ein gezielter Schuss einer Steinkugel die aus einem grossen Katapult unter der Burg abgeschossen wurde, traf das Ziel und erschlug den Ritter. Er hatte einen ähnlichen Heldenstatus wie Robin Hood, da er sich auch für soziale Gerechtigkeit und die Armen, gegen die korrupte Obrigkeit stellte. Natürlich verbrachten wir auch hier wieder mehr Zeit als ursprünglich gedacht, aber dieser Ort ist einfach so faszinierend und spannend, dass man da gut zwei Stunden verbringen kann.

Aussichtsfenster in der Felsenburg

Aussichtsfenster in der Felsenburg

Gegen zwölf satteln wir wieder auf und folgten unserer geplanten Route. Wieder säumen wunderschöne Landschaften unseren Weg und ein stetes auf und ab begleitet uns den ganzen Tag durch diese hügelige Gegend. Gegen halb zwei legen wir an einer hübschen Kirche auf einer kleinen Anhöhe mit schöner Aussicht unsere Mittagspause ein. Es gibt lokale Wurst, die vom Aussehen einer Salami ähnelt und Käse aus der Region. Beides vom Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig, aber ok. Dazu Brötchen, die wir auf dem Campingplatz am Vorabend bestellt hatten. Auf dem weiteren Weg Weg gibt es dann nichts mehr spektakuläres zu sehen, ausser immmer wieder wunderschöne Landschaften mit bunt blühenden Wiesen, wie wir sie bei uns gar nicht mehr kennen.

Mittagspause in Preserje

Mittagspause in Preserje

Mein Dilemma das mich in diesen Ferien immer wieder triggert: Man kommt kaum an Supermärkten, Bäckereien oder Metzgereien vorbei, um sich unterwegs einen Snack oder ein Getränk zu kaufen. Auch Brunnen sind Mangelware. Dreissig Kilometer vor Ljubljana folgen nochmal eine längere und ein paar kürzere Steigungen, die uns in eine juraähnliche Landschaft auf fast 900 Meter Höhe bringen. Ruhig, einsam und wunderschön. Bevor die Höhenmeter in die grosse Ebene von Ljubljana wieder vernichtet werden, kommen wir an einer tollen Kirche mit zwei runden Kuppeldächern vorbei, die uns schon von weitem wegen ihrer exponierten Lage ins Auge springt. Wir sind uns schnell einig, hier einen Schwenk einzulegen, um uns diesen eindrücklichen Bau anzusehen. Da gerade ein Gottesdienst beginnt, wagen wir nur einen kurzen Blick ins barocke Innere, ohne den schönen Kirchenraum zu betreten.

Nach 51 km. Der nächste Höhenzug ist bald bezwungen

Nach 51 km. Der nächste Höhenzug ist bald bezwungen

Von hier aus sind es keine 100 Höhenmeter mehr, bis wir die Ebene erreichen und die letzten knapp 20 Kilometer im Flachen Ljubljana entgegen reiten. Landschaftlich ist das nach all den wunderschönen Gegendenden die wir heute schon durchfahren haben kein besonders erwähnenswertes Highlight mehr, aber durch die spezielle Stimmung der untergehenden Sonne und einem tollen Wolkenbild trotz allem ein Hingucker. Zuerst folgen wir einer frisch geteerten Strasse mit eigenem Radstreifen auf feinstem Teer, danach gehts über ruhige Nebenstrassen durch eine schöne Riedlandschaft Richtung Hauptstadt weiter, bis wir vielleicht sechs Kilometer vor der Stadt auf eine vielbefahrene Einfallstrasse kommen und bereits hier, das Ortschild von Ljubljana passieren. Wir checken nochmal unsere Übernachtungsadresse und kurbeln das letzte Stück mit Hilfe von GoogleMaps in die Altstadt zu unserem AirBnB Studio. Nach ein, zwei verpassten Abzweigern, erreichen wir dann unser Nachtlager.

Dass Isabelle eine Wohnung an zentraler Lage gebucht hatte, war mir klar, aber dass wir mitten in der quriligen Altstadt, direkt an einer belebten Strasse nächtigen, überrascht mich positiv. Die Eingänge zum Haus und zum Studio lassen sich über einen Zahlencode öffnen und wir freuen uns, dass im engen Flur eine kleine Nische ist, wo wir unsere Räder ohne den Weg zu versperren, sicher abstellen können. Während ich mein Gepäck vom Rad nehme, inspiziert Isabelle schon mal unser Appartement und kommt mir einen Moment später mit leicht entgeistertem Blick wieder entgegen und meint: Es gibt kein Bett in unserem Studio! Im ersten Moment sehe ich auch nichts, aber als ich mich auf der super engen Fläche umdrehe, entdecke ich das Hochbett, dass nicht über eine Leiter erreichbar ist, sondern über eine treppenartige Schrankkombination an der Wand bestiegen wird.

Imposantes Lichtspiel kurz vor Ljubljana

Imposantes Lichtspiel kurz vor Ljubljana

Als dieser kurze Schreckmoment überstanden ist, machen wir uns in diesen gefühlten 10 Quadratmetern Grundfläche breit. Es ist alles extrem eng und einzig ein Fenster in einen ebenso engen dunklen Innenhof bringt ein bisschen Licht in den Raum. Aber es ist alles da: Eine kleine Küche, Kühlschrank, ein Tisch, Einbauschränke und eine kleine Dusche mit Lavabo und Klo. Ich staune jetzt noch, was man alles auf die paar Quadratmeter Fläche hineingewurstelt hat. Isabelle hat schon gewaschen. Sie ist die Fachfrau für Wäscheleinenkonstruktionen in Hotelzimmern und Ferienwohnungen und spannt kunstvoll eine Leine durch den kleinen Raum, wo sie ihre Wäsche aufhängen kann. Danach gehts ins quirlige Städtchen, wo wir ein naheliegendes Restaurant zum Abendessen aufsuchen. Wir suchen nicht lange, da es schon recht spät ist und wir nicht wissen, wie lange man noch essen kann. Die Küche verspricht lokale Spezialitäten, was mir immer gefällt und ich bestelle mir auf Empfehlung des Kellners Gulasch, für Isabelle gibts eine Art Knödel an Steinbpilzsauce. Das Essen ist gut, aber trotz allem ist nach Oben noch etwas Luft;-) Wahrscheinlich einfach ein bisschen zu touristisch und viel Vorgefertigtes das dann noch kurz gewärmt oder fertig zubereitet wird. Das lässt zumindest der schnelle Service erahnen. Weil der sehr nette und deutsch sprechende Kellner meinen Kaffee vergisst, gibts dafür zum Abschluss noch einen Heidelbeer-Likör, oder sowas in der Art. So geht Gastfreundschaft. Ich schätze so kleine Gesten immer sehr und man fühlt sich als Gast ernst genommen. Ich nehme das kleine Goodie dankend an und schaue mir noch schnell die schöne Gaststube an, die wie aus der Zeit gefallen wirkt. Das Interieur sieht aus, wie eine Bar oder Restaurant von vor hundert Jahren, viel Klimbim, aber sehr stimmig. Mir gefällts. Nach diesem anstrengenden Tag gibts nach dem Essen nur noch eine kleine Verdauungsschleife und dann gehts ab ins Hochbett.

Tiny Appartement in Ljubljana

Unser tiny Appartement in Ljubljana

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