Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 4: Freitag, 23. Mai, 2025
Sturmnacht nur knapp überlebt

Malovše – Postojna

Karte Tag 4

59 km | ↗ 1120 m | ↘ 740 m

Hossa! Was für eine Nacht. Nach unserem Abendessen in der Camping-Lounge zog der Regen schon zünftig an und so kuschelten wir uns gleich danach in unsere Schlafsäcke. Inzwischen hatte ich auch gecheckt wie ich den Footprint (die Zeltunterlage) so unter dem Zelt platziere, damit das herunterlaufende Wasser vom Aussenzelt nicht auf den Footprint und weiter unter die Abside und unters Zelt läuft. Das hatte ich in der ersten Regennacht noch nicht realisiert und mich über die Pfützen unter den Absiden und das Wasser zwischen Footprint und Zeltboden geärgert. Der Regen hatte inzwischen sintflutartige Ausmasse angenommen und die Gewitterböen steigerten sich Richtung Orkan. Trotz dem lauten Geprassel und Gerüttel am Zelt bin ich bald eingeschlafen. Ich fühlte mich in meinem neuen Zelt save und es bleibt auch wunderbar trocken. Natürlich wacht man bei einem solchen Regensturm immer wieder auf und ich hatte Angst dass mein Zelt davon fliegen würde, oder zumindest die Heringe ausgerissen würden und ich mich aus meinem trockenen und warmen Nest ins Unwetter stürzen musste, um mein Zelt wieder festzumachen. Zum Glück hielt aber alles und ich konnte in gemütlichen kleinen Castle bleiben. Ich mag mich nicht erinnern, mal ein so heftiges Unwetter im Zelt verbracht zu haben. Isabelle hatte leider nicht so viel Glück. Bei ihr riss der Sturm ein, oder sogar zwei Heringe aus und sie musste hinaus ins Unwetter und ihr Zelt wieder fixieren.

Als ich aufwache hat der Regen endlich aufgehört, aber der Wind pfeift immer noch heftig übers Land. So können wir unsere Zelte wenigstens einigermassen trocken einpacken. Frühstück gibts nochmal Outdoor in der schönen Loggia. Heute auch nicht mehr so spärlich wie gestern. Müesli mit Fruchtjoghurt und Milch, dazu ein frisch gebrühter Bialetti-Kaffee. Was will man mehr. Die aktuellen Wetterprognosen sind nicht allzu gut und sagen für Unterwegs auch eine erhöhte Regenwahrscheinlichkeit voraus. Nach dem Frühstück schlüpfe ich in klitschnasse Schuhe und feuchtkalte Veloklamotten. Nicht sehr angenehm.

Schöner Weitblick ins Tal kurz nach dem Start

Schöner Weitblick ins Tal kurz nach dem Start

Bei bewölktem Himmel und immer noch stürmischem Ostwind fahren wir los und haben gleich gegen kräftigen Gegenwind zu kämpfen. Nach knapp fünf Kilometern gehts über eine kleine Anhöhe in ein wunderschön ruhiges Seitental, wo wir den nächsten zwei Stunden dem Flüsschen Branica folgen. Das ruhige Flusstal hält den giftigen Gegenwind ab und es hat auf den schönen kleinen Strässchen praktisch keinen Verkehr. Auf jeden Fall ein sehr lohnenswerter idyllischer Streckenabschnitt. Am Anfang des Tals sticht uns ein riesiger TITO SChriftzug in einem wohl extra dafür gerodeten Waldstück schon von weitem ins Auge. Ob es hier noch viele Menschen gibt, die ihm nachtrauern? Ich bin von diesem lieblichen Flusstal begeistert und geniesse jeden Meter. Die Dörfchen die wir durchfahren bestehen oft nur aus ein paar Häusern. Auf der rechten Talseite verläuft eine Eisenbahnlinie. Die Hänge sind meist bewaldet und der fruchtbare Talboden bietet ein abwechlungsreiches Bild aus Wiesen, Feldern und Weinbergen. Gegen Ende des Tals steigt der Weg an und als wir die breite Anhöhe erreichen, öffnet sich ein herrlicher Blick hinunter ins Haupttal auf deren linken Seite die Autobahn nach Ljubljana ansteigt.

Schon auf der Anhöhe spürt man, dass der Wind wieder auffrischt und unten im Talboden eine Heftigkeit erreicht, die uns fast von den Rädern bläst. Da wo wir frontal gegen den Wind fahren müssen, ist ein vorankommen kaum mehr möglich und mehr als Schrittgeschwindigkeit schafft man partout nicht. Da schon wieder weit nach Mittag ist und wir unterwegs an keinem Laden vorbei gekommen sind, entscheiden wir uns in der kleinen Ortschaft Podberg in einer Bar einzukehren die geöffnet hat. Die Speisekarte ist eher bescheiden und schaut so aus, als ob wir hier nur Tiefkühlkost bekämen. Egal, wir haben Hunger und auf den nächsten Kilometern und einem heftigen Anstieg ist nicht mehr mit Restaurants oder Läden zu rechnen. Wir entscheiden uns beide für eine Pizza, die trotz allem erstaunlich gut schmeckt.

Zum Glück schützt uns bald nach der Pause das immer enger werdende Tal vor dem Wind. Dieser Kampf scheint nach zwei oder drei Kilometern überwunden zu sein, aber am Ende des Tals folgt nach einer bis dahin ganz moderaten Steigung auf den letzten zweieinhalb Kilometern, eine Rampe mit Steigungen bis 20%. Das fordert von uns alles ab, was in unseren Beinchen steckt. Lustigerweise ist schieben in so steilen Passagen oft auch keine grosse Entlastung, da die Räder einfach zu schwer sind. Ich sag mir immer: Bis 10% kann man relativ gemütlich im kleinen Gang einen Berg hochstrampeln. Bis 15% gehts auch noch, wird aber schon sehr streng und alles was drüber ist, ist die Hölle und treibt den Puls auf 200... mindestens ;-) Ich bewundere Isabelle, die ein paar (viele) Kilos weniger wie ich auf die Waage bringt, aber mit mit genauso schwerem Gepäck unterwegs ist, sich in solchen Passagen durchbeisst. Chapeau, da zieh ich den Hut. Am Ende der schweisstreibenden Passage erreichen wir eine weite Hochebene auf rund 700 Meter über Meer.

Typische Szenerie in dieser Gegend

Typische Szenerie in dieser Gegend

Auf unserem Plan für die heutige Etappe stand noch die Besichtigung der Höhlenburg Predjama und danach noch ein ganzes Stück weiter zu radeln. Aber als wir merken bald, dass das nicht realisitisch ist und wir frühestens gegen 17 Uhr die Burg erreichen würden. So planen wir um und suchen den nächstgelegenen Campingplatz, der in der Nähe der Felsenburg liegt. Kurz nach 18 Uhr können wir einchecken. Wir sind auf dem Campingplatz Pivka Jama gelandet, der mittem im Wald liegt. Die Anlage ist riesig und praktisch leer. Wir suchen uns einen schönen Platz, wo wir hoffen, dass am Morgen etwas Sonne hin scheint und weil wir unterwegs nicht mehr zum einkaufen kamen, sattle ich nochmal mein Rad und geh in der nächsten grösseren Ortschaft Postojna einkaufen. Das kostet etwas mehr Zeit, als ich dachte und so bin ich erst gegen 20 Uhr wieder zurück. Die Kocherei wird ein Desaster. Ich wollte Pasta an einer Lauch-Rahmsauce mit Cevapcici kochen, aber das misslang mir zünftig. Das Ganze war ziemlich fad und die Nudeln quollen so stark auf, dass das Verhältnis von Sauce zu Pasta überhaupt nicht mehr passte. Und als ob das noch nicht gereicht hätte, schütte ich anstatt Rahm, Milch in die Sauce, was die ganze Angelegenheit noch langweiliger macht. Wenigstens waren die Würstchen lecker und konnten so die pappige Lauchpasta ein bisschen vergessen machen ;-)

Sozialisten-Chic in den Sanitäranlagen

Sozialisten-Chic in den Sanitäranlagen

Gegen 22 Uhr finde ich dann endlich Zeit zum duschen. Die Sanitäranlagen setzen mich in Verzücken. Ich fühle mich in die frühen 80er Jahre der DDR katapultiert. Sozialistischer Duft liegt in der Luft. Ich nehme an, dass der Campingplatz noch unter der Fuchtel von Tito gebaut wurde und nie grundlegend erneuert wurde. Die Farben der Platten, das grelle Neonlicht und die ganzen Armaturen, einfach herrlich cringe. Aber es gibt warmes Wasser und die Dusche funktioniert auch. Zu meckern gibts also nichts und so falle ich nach meiner Abendwäsche ziemlich müde in meinen Schlafsack.

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