Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 3: Donnerstag, 22. Mai, 2025
Regentag eingezogen

Gabrje - Malovše

Karte Tag 3

63 km | ↗ 750 m | ↘ 690 m

Eine volle Blase weckt mich vor sieben Uhr und so mühe ich mich aus dem Zelt und schleiche zum Klo. Und da ich schon mal wach bin, nutze ich die Möglichkeit und beginne damit das nasse Zelt etwas abzutrocknen. In der Nacht hat es immer wieder geregnet. Als mich Isabelle herumwerkeln hört, schlüpft auch sie aus ihrem Zelt und wir nutzen die regenfreie Phase zum Zeltabbau. Richtig trocknen können wir unsere Zelte zwar nicht, aber feucht einpacken ist allemal besser als triefend nass. Das Frühstück ist den Umständen entsprechend eher karg: Müesli mit Milchpulver. Als dann um acht beim Kiosk die Jalousien hochgehen freuen wir uns über einen frischen heissen Kaffee. Der tut gut und weckt unsere Lebensgeister. Weil es immer wieder zu Regnen beginnt versuchen wir unsere Zelte unter dem grossen Dach noch weiter zu trocknen. Wir sind froh darüber, dass wir fast die einzigen Gäste sind und nehmen noch weitere Tische in Beschlag um Zelt und Planen zu trocknen. Als wir abfahrbereit sind, überrascht uns schon der nächste Wolkenbruch und wir entscheiden uns nochmal einen Moment zu warten. Im Zehnminuten-Takt checken wir den Regenradar. Als es dort aber je länger je mehr nach Dauerregen aussieht und die regenfreien Phasen auf wundersame Weise immer weniger werden, entscheiden wir uns trotzdem loszufahren. Es gibt schöneres als bei Regen zu radeln, aber das gehört auf einer Radreise halt auch dazu.

Im Regen gehts los

Bei Regen gehts los

Gut eingepackt gehts los und schon nach ein paar Minuten Fahrt erreichen wir Tolmin. Wir folgen weiter der Soca. Die Landschaft ist toll, aber der Regen und die tiefen Wolken mindern die Freude an dieser wunderschönen Gegend doch etwas. Bei so widerlichen Bedingungen tauche ich immer in einen Zustand ab, wo ich nur noch gerade aus schaue und wie ein Maschinchen die Strecke abstrample. Einfach «Gring abe u düre». Meist befahren wir ruhige Nebenstrassen oder Radwege. Nach einer Brücke über die Soca erreichen wir eine der vielen steilen Rampen, die es an diesem Tag immer wieder zu überwinden gibt. Der Weg führt durch einen urwald-ähnlichen Wald. Begleitet von lautem Donnergrollen steigert sich der mässige Regenschauer zu einem währschaften Wolkenbruch. Das wird uns dann doch zu viel und wir suchen in Avče einen Unterstand, um diesen Starkregen auszusitzen. Vor einem kleinen Sportplatz mit Bocciabahn finden wir vor dem Clublokal eine überdachte Bank, wo wir auch unsere Räder abstellen und uns hinsetzen können. Kaum haben wir Platz genommen, öffnet sich die Tür, und ein alter Mann tritt heraus – wohl um zu sehen, was da draussen vor sich geht. Mit Zeichensprache lässt er uns wissen, dass wir gerne hier sitzen bleiben dürfen. Ein paar Minuten später stossen weitere alte Männer dazu, die sich bei einem Bierchen angeregt unterhalten, während Petrus den Hahnen zum schliessen der Schleusen immer noch sucht.

Dauerregen vor Kanal

Dauerregen vor Kanal

Als der Regen etwas nachlässt entschliessen wir uns, noch bis ins fünf Kilometer entfernte Kanal weiter zu radeln, um dort etwas zu essen, uns wieder aufzuwärmen und so gut es geht abzutrocknen. Im ersten Lokal direkt im Städtchen gibt es leider nichts zu essen, aber der Wirt erklärt uns wo wir unseren Hunger gestillt bekommen. Eigentlich dachten wir, dass wir zu einer Pizzeria kommen, wir finden aber nur ein kleines fast leeres Restaurant, das auch nicht so wirkt, als ob es hier viel zu essen gäbe. Der Raum ist kühl und nicht sehr einladend, aber ich mag solche Orte, die einfach hier so sind und das ist gut so. Da wir leider kein Wort slowenisch sprechen, versuchen wir auf englisch nachzufragen, ob wir hier etwas zu essen bekommen. Der Wirt hält uns dann sein Handy unter die Nase wo zu lesen ist: «I can make you pasta with sauce». Wir nehmen dankbar an und ich merke erst, als ich meine Jacke ausziehe, dass ich ziemlich durchnässt bin. Nach einem längeren Weilchen bekommen wir tatsächlich die versprochene Pasta with Sauce and Cheese und ein paar Speckwürfelchen. Die Pasta sieht wie Convenience Food aus, der in der Microwelle aufgewärmt wurde, aber es schmeckt richtig gut und ich bin mir nach dem ersten Löffel sicher, dass da jemand in der Küche eine Pasta with Sauce frisch zubereitet hat. Dazu gibts lecker Radler Grapefruit und zum Abschluss noch einen Kaffee.

Als wir uns wieder auf den Weg machen hat der Regen zu unserer Überraschung aufgehört. Das steigert die Stimmung merklich. Die Zuflüsse die links und rechts die Abhänge in die Soča herunter sprudeln, haben sich alle in dunkelbraun reissende Schlammbäche verwandelt. Wir folgen dem schön ausgebauten Radweg, der immer wieder tolle Blicke auf die bewaldeten Hänge und die Soča freigibt. Jede kleine Steigung und jedes Gefälle ist mit einem Schildchen markiert. Die Strasse liegt auf der anderen Talseite und so gehts recht gemütlich der Soča entlang bis sich vor Nova Gorica das Tal öffnet und wir zum letzten Mal den Fluss über eine moderne Rad- und Fussgängerbrücke überqueren. An der Brücke weisen diverse Werbebanner darauf hin, dass hier in zwei Tagen der Giro d’Italia durch kommt. Die Stadt lassen wir, nachdem wir gestern im Reiseführer nichts interessantes über darüber gelesen hatten links liegen. Nach Nova Gorica weitet sich die Landschaft und wir ändern unsere allgemeine Fahrtrichtung von Süden nach Osten. Zu unserer Linken begleitet uns eine sanfte Bergkette, zur Rechten flacht das Land in einer schönen, fruchtbaren Landschaft ab. Weinberge säumen immer wieder den Weg. Bei einer kurzen Pipi-Pause checken wir nochmal die Karte und Campingplätze und entschliessen uns, auf dem «Camp David» unser nächstes Nachtlager aufzuschlagen, wo wir gegen 18 Uhr einrollen. Eine wunderbare neue kleine Campinganlage mit vielleicht 30 Stellplätzen und schönen und blitzsauberen Sanitäranlagen. Hungrig müssen wir heute auch nicht in die Schlafsäcke kriechen, denn kurz vor dem Campingplatz kamen wir noch an einem Supermarkt vorbei und haben uns Verpflegung fürs Abendessen und Frühstück gekauft.

Nach dem Socia Tal weitet sich die Landschaft

Nach dem Sociatal weitet sich die Landschaft

Nach dem Check-in stellen wir bei beginnendem Nieselregen unsere Zelte auf und kochen in der überdachten Loggia hinter dem Hauptgebäude unser Abendessen. Tortellini an Grogonzola-Rahmsauce, dazu frischen Ruccola-Gurken Salat. Hat geschmeckt und da kann man auch kaum was falsch machen ;-) Auf jeden Fall waren danach die verbrannten Kalorien wieder aufgefüllt. Gegen viertel vor Zehn verziehe ich mich ins Zelt. Der Nieselregen ist inzwischen zu einem währschaften Regenschauer angewachsen, aber im Zelt ist es trocken und im Schlafsack kuschelig und warm.

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