Slowenien Radreise 2025
In 11 Tagen durch Slowenien und Österreich

Tag 1: Dienstag, 20. Mai, 2025
Erst mal Östereich und Italien

Villach – Tarvisio

Karte Tag 1

34 km | ↗ 370 m | ↘ 320 m

Mit der S-Bahn geht es am Montag Abend kurz vor Acht nach Zürich, wo ich Isabelle treffe, die schon vor unserem Wagen des Nachtzuges nach Leoben auf mich wartet. Ich erwartete die mir bekannten Liegewagen, wo man Abends die Betten herunterklappt und bin ganz überrascht, dass sich da in den letzten Jahr etwas massgeblich verändert hat. Die Liegen sind schon herunter geklappt und es gibt eine steuerbare Klimaanlage die sich über ein kleines Steuerpult inklusive Licht steuern lässt. Ist zwar moderner und nicht mehr so bequem zum sitzen, aber sonst sehr sauber und recht ruhig. Die Klimaanlage steigert meine Hoffnung, dass es nicht so stickig und heiss wird, wie ich das von früheren fahrten her kenne und ich dadurch etwas besseren Schlaf finde. Ich bestelle mir zwei Bierchen beim Wagenchef und plaudernd geniessen wir die Fahrt, bis zwei weitere Gäste in Feldkirch und Bludenz zusteigen und sich sogleich schlaffertig machen. Mir ist das noch ein bisschen zu früh, aber nützt ja nichts, wenn sich die anderen Schlafen legen wollen, muss man sich da wohl oder übel auch hinlegen. Trotz Klimaanlage finde ich kaum Schlaf. Meine Beine kribbeln und halten mich unnötig wach. Gegen Morgen nicke ich dann doch immer wieder für einen kurzen Moment ein, aber als um 5:15 der Wecker klingelt, bin ich alles andere als erholt. Kurz danach klopfts an der Türe und das Frühstück wird uns in unser Abteil gereicht. In Kauerstellung geniessen wir den heissen Kaffee mit Brötchen und Konfitüre. Der Ausstieg in Leoben ist, wie immer bei Radreisen mit all den Packtaschen ziemlich hektisch. Zu Zweit ist das aber viel entspannter, als wenn man alleine dreimal hin und her springen muss, bis man alles draussen hat. Der Anschlusszug nach Villach fährt nur zwanzig Minuten später und wir wuchten unsere Räder und das ganze Gepäck nach einer kurzen Wartezeit auf dem Perron gleich wieder in den nächsten Zug. Nach ein paar Minuten Fahrt übermannt mich die Müdigkeit wieder und ich falle in einen entspannten Dämmerzustand, obwohl draussen eine wunderbare Landschaft an uns vorbei zieht.

Brücke in die Altstadt von Villach

Über die Brücke gehts vom Bahnhof in die Altstadt von Villach.

Pünktlich um 8:46 treffen wir in Villach ein, wo die Temperaturen im Vergleich zu Leoben schon ganz angenehm sind. Wir entschliessen uns, unsere Reise mit einem Altstadtbummel zu beginnen und unseren Urlaub ganz entspannt zu starten. Helfen tut uns dabei ein Geocache, der uns uns durchs Städtchen führt. Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, ob es mir hier gefällt oder nicht. Es ist ganz hübsch, aber so richtig in Begeisterung mag es mich nicht versetzen. Der Cache führt uns erst durch die Hauptstrasse der Altstadt. Ein paar Abzweiger nach links und rechts bieten uns so ein ganz gutes Bild von der verkehrsfreien Zone. Wir entdecken dadurch auch ein paar sehr nette Ecken, schauen uns kurz die Kirche an und genehmigen uns am Ende der Runde gegen halb elf nochmal ein zweites Frühstück in einem Strassencafe, in der inzwischen recht quirligen Hauptgasse. Die Berechnungen des Geocaches ergeben leider keine sinnvollen Koordinaten, sodass wir die Suche nach dem finalen Böxchen bleiben lassen. Bevor wir los fahren geht es nochmal zurück zur St. Jakob Kirche, wo inzwischen der Turm geöffnet ist, den man gegen ein kleines Eintrittsgeld besteigen kann. Über viele Stiegen und ein paar Zwischenplattformen gelangt man zur Aussichtsplattform. Die letzte schmale Treppe ist mit einer Lichtsignalanlage versehen, weil man auf der letzten schmalen Treppe nicht kreuzen kann. Ein witziges Detail, das mir gefällt. Die Aussicht ist ganz nett, nur mit den dunklen Wolken die in unserer Fahrrichtung über den Bergen liegen habe ich nicht gerechnet. Eine kleine Ausstellung zum Jakobsweg, die über die Zwischenetagen verteilt sind, lasse ich links liegen. Ist jetzt nicht so das Thema, dass mich gross interessiert. Ganz im Gegenteil, der Hype um die Jakobswege wurde mir in den letzten Jahren etwas zu fest hochgekocht. Ich suche mir meine Routen für Rad- oder Wandertouren lieber selber aus, als auf diesen vorgegebenen Pfaden einem Ziel entgegen zu pilgern, auch wenn Santiago de Compostela sicher ein besuchenswerter Ort ist.

Schöner Lost Place: Alter Bahnhof Tarvisio Centrale

Schöner Lost Place: Alter Bahnhof Tarvisio Centrale.

Gegen halb eins geht es dann endlich los und wir verlassen Villach in südlicher Richtung. Wir folgen dem Alpe Adria Radweg. Kurz nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, schlagen wir uns erst mal in die Büsche um die Alltagskleider gegen bequemeres Radleroutfit zu tauschen. So fühlt es sich gleich viel angenehmer an, denn die Temperaturen in der Sonne inzwischen ganz schön warm geworden. Das Wetter hier ist noch sonnig, aber die Wolken die wir schon vom Kirchturm aus gesehen hatten, werden bedrohlicher und dunkler und lassen nichts Gutes verheissen. Je näher wir den Bergen kommen, umso stärker bläst uns auch ein Gegenwind entgegen und bei leichten Steigungen gehts nur noch schleppend voran. Eine zeitlang folgt der Radweg etwas belanglos der Hauptstrasse, bis es hinter Arnoldstein dann wieder ruhiger und schöner wird. Ein paar erste kurze 15% Rampen führen uns dann über die Grenze nach Italien. Solche Steigungen werden auch in den nächsten Tagen unseren Puls immer wieder in die Höhe treiben. Kurz nach der Grenze wird der Radweg dann sehr gemütlich. Lang gezogene Kurven und die moderate Steigung weisen auf einen Radweg hin. Und tatsächlich kommen wir kurz vor Tarviso an einem schönen alten verfallenen Bahnhof vorbei. Natürlich können wir es nicht lassen, diesem Lost Place einen kurzen Besuch abzustatten, lassen die Räder kurz stehen und stolpern ein Weilchen in den alten Gemäuern herum. Am interessantesten sind für mich solche Orte immer dann, wenn die Räume nicht komplett leer geräumt sind und noch Möbel und sonstige Utensilien herum liegen, was hier auch der Fall war.

Eigentlich war die heutige Etappe bis nach Bovec geplant, was bedeutet hätte noch über den 1156 Meter hohen Passo del Predil zu fahren, aber als uns ein Mann auf einem Bike entgegen kommt und uns fragt, ob wir ein Zimmer suchen und uns seine Unterkunft für 74 Euro anbietet sagen wir spontan zu. Zum einen wären noch über 30 Kilometer und 500 Höhenmeter vor uns gelegen und dann wäre es sehr spät geworden und auch die dunklen Regenwolken verhiessen eher einen nassen Tagesabschluss. Zum anderen waren wir auch sehr viel später los gefahren als geplant und so folgen wir dem netten Herrn der ganz gut Deutsch spricht bis ans andere Ende von Tarviso, wo wir sein schlichtes B&B beziehen. Auf dem Weg dorthin erzählt er mir, dass die alte Bahnlinie seit 25 Jahren nicht mehr in Betrieb ist und die neue Streckenführung auf der anderen Talseite durch längere Tunnels geführt wird. Unser Zimmer, oder besser gesagt der Wohnungsteil ist sehr einfach, aber mir gefällt dieser in die Jahre gekommene Stil. Es gibt ein grosses Badezimmer und nebem dem sehr geräumigen Schlafzimmer liegt der Frühstücksraum, wo eine klitzekleine Küche anschliesst. Wir werden gefragt, welches Brot wir gerne mögen und ob wir auch Croissants und etwas Fleisch und Käse zum Frühstück möchten. Überrascht über den tollen Service geben wir unsere Vorlieben weiter und sind gespannt, wie morgen der Frühstückstisch aussieht. Der Entscheid auf die Einladung des Sinore Da Dante einzugehen, war absolut richtig und ein Glückstreffer. So kann der Urlaub gerne weiter gehen.

Piazza Unità im Zentrum von Tarvisio

Piazza Unità im Zentrum von Tarvisio.

Da wir durch die kürzere Etappe nun plötzlich viel Zeit haben, gehe ich noch so gerne auf Isabelles Vorschlag ein, die Slizzaschlucht am anderen Ende von Tarviso zu besuchen und so machen wir uns kurz vor vier auf einen etwas längeren Abendspaziergang. Wir gehen zu Fuss, weil unsere Fahrräder in einem Lagerraum eingeschlossen sind und die Schlucht eh nur zu Fuss erkundet werden kann. Die knapp 3 km Weg ziehen sich, bieten aber auch einen schönen Überblick über das Dorf. An einer Gelateria gönne ich mir dann noch mein erstes Radler-Eis. Auf dem Radweg auf dem wir schon gekommen sind geht es erst ein Stück zurück bis zur alten Eisenbahnbrücke, die über die Schlucht führt. Von hier oben hat man schon einen guten Eindruck von dem, was uns ein paar Minuten später unten bei der Slizza erwartet. Am Ende der imposanten alten Eisenbrücke führt ein steiler Pfad hinunter zum Fluss. Dort folgt der Weg gut dem eindrücklichen Bergbach. Danke Isabelle für diesen tollen Tipp. Das war ein sehr lohnenswerter Ausflug.

Gegen 19 Uhr sind wir wieder zurück, duschen und geniessen die frischen und warmen Alltagskleider. Zum Abendessen gehts nochmal zurück ins Dorf wo wir im Hotel Haberl sehr gut speisen. Für mich gibts Pizza Bomba, Isabelle entscheidet sich für Spaghetti Carbonara. Das Panaché ist herrlich frisch und löscht den ersten Durst, den Hauswein danach find ich für einmal knapp ungeniessbar, was mir in Italien wo ich normalerweise den Hauswein bestelle, eigentlich fast nie passiert. Das Essen inklusive Salat ist aber vorzüglich. Danach planen wir noch den morgigen Tag, wo es dann über den Passo del Predil nach Bovec und weiter zum Tagesziel nach Tolmin gehen soll. Das Wetter sollte nach den aktuellen Vorhersagen mit etwas Glück halten. Wir hoffen es zumindest.

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